Der Reimkultur-Blog

In loser Folge nehmen wir hier Stellung zu Themen, die uns beschäftigen.

 
8. Juli 2021

Spenden nein, Honorieren ja.

 

Liebe Fangemeinde, liebe Zuhörenden und Zuschauer:innen!

Vielen Dank, dass so viele von Euch beim Livestream des Werkstattkonzertes aus dem BKA dabei waren! Die Zuschauer:innenzahlen haben uns überrascht, wir hatten mit "Streamingmüdigkeit" nach über einem Jahr Pandemie gerechnet. Aber es schauten sogar mehr zu als beim letzten Stream aus dem BKA. Und da dies nach wie vor die einzige Konzertform ist, in der Bodo viele von Euch gleichzeitig erreichen kann, freut und erleichtert es uns sehr, dass Ihr dieses Angebot nach wie vor gerne und begeistert annehmt.

Feedback

Bodo hat sich sehr gefreut über die zahlreichen Rückmeldungen in den Chats der beiden Haupt-Streams, in seinem Gästebuch und per Mail. Viele konstruktive, schöne und hilfreiche Anmerkungen und Gedanken haben ihn erreicht und fließen nun in seine weiteren Überlegungen zu Song- und Projektideen mit ein. Es war eine Freude, Eure engagierte Teilnahme an Bodos Kunst zu erleben.

Spenden

Leider hat die Sache auch eine Schattenseite und vielleicht beruht diese auf einem Missverständnis, darum schreibe ich Euch. Wir hatten Euch berichtet, dass wir aufgrund des guten Abschneidens von Reimkultur bei der Überbrückungshilfe 3 keine Spenden mehr von Euch benötigen. Die Spenden sind auch ziemlich unmittelbar auf 0 gegangen, diese Mitteilung kam also an.

Als Spenden betrachten wir all jenes Geld, das ohne Bodos Zutun auf dem Konto landet, also als Bonus in den Onlineshop-Warenkorb gelegt wird oder ohne äußeren Anlass über Paypal bei uns ankommt.

Einnahmen

Hingegen hoffen wir darauf, dass durch Bodos Auftritte wieder Einnahmen generiert werden können. Das Werkstattkonzert wäre aus unserer Sicht so ein Fall gewesen, es passierte aber leider nicht. Im Schnitt konnten wir nur 2 Euro pro abgerufenem Stream - was ja nicht selten mehr als eine zuschauende Person bedeutet - einnehmen. Das war für den Aufwand und die Anzahl an Beteiligten leider etwas sehr wenig.

Im Spannungsfeld

Nun befinden wir uns natürlich in einem nicht ganz einfachen Spannungsfeld. Internetinhalte gelten seit jeher kategorisch als kostenlos (wobei man auch dabei die Sinnhaftigkeit ernsthaft infrage stellen sollte), Spenden brauchen wir nicht mehr, zugleich wurde hier ein vollwertiges Konzert auf die Beine gestellt und obendrein noch mit viel Einsatz von Menschen und Technik in die Wohnzimmer gebracht ... und wir alle wissen ja, was eine Konzertkarte normalerweise kostet.

Beim nächsten Mal

Wir hoffen, dass auch mit Onlinekonzerten die Kunst von Bodo weiter honoriert wird. Wir brauchen keine Spenden, aber wir sind angewiesen auf Erlöse aus Bodos und unserer Arbeit, um alle bezahlen zu können, die dazu beitragen, dass Bodos Kunst sicht- und hörbar wird, wie zum Beispiel demnächst bei den Streams zum Wandelmut-DVD-Konzert im September und dem Jubiläumskonzert im November.

Vielen Dank!
Sven

 
 
28. Juni 2021

Das kommende halbe Jahr bei Reimkultur

Das kommende halbe Jahr bei Reimkultur

 

Planung & Risiko

Vieles ist in Planung bei Bodo und bei Reimkultur. Ob und was davon wie umgesetzt werden kann, hängt nach wie vor maßgeblich vom Verlauf der Pandemie und den Reaktionen der politischen Entscheidungsträger:innen auf die Entwicklungen ab. Gerade Anfang Juni hat erst wieder eine neue Ankündigung für Unklarheit und Unruhe gesorgt, der sog. "Sonderfonds des Bundes für Kulturveranstaltung". Die Idee ist super, es sollen Risiken abgefedert werden, die beim Veranstalten von Konzerten und anderen kulturellen Ereignissen durch pandemiebedingten Ausfall oder Mindereinnahmen entstehen. Doch die Umsetzung erscheint sehr kompliziert und ist ebenfalls mit Unwägbarkeiten versehen, und so müssen wir hier abwarten, wie sich die hiesigen Veranstalter:innen entscheiden: nehmen sie das Risiko auf sich, oder nicht. Bislang haben wir nur wenige Zusagen, dass bestimmte Konzerte im Herbst wirklich stattfinden sollen.

MAM - Carolin Kebekus - SchönenGutenA-Band - Open Airs

Und so bleibt uns, die Zeit möglichst sinnvoll zu nutzen, während wir zugleich flexibel genug sein müssen, alle unsere Pläne von einer Woche zur anderen umzustellen, über den Haufen zu werfen, neu zu organisieren. Zum Glück ist die Auswahl an Vorhaben recht groß, da die Kreativität vor allem von Bodo weiterhin ungebremst ist. Und so habt Ihr gerade in letzter Zeit oft und sehr spontan Infos von uns bekommen, dass wiedermal etwas fertig war, veröffentlicht wurde, sich Eure Aufmerksamkeit wünschte. Da war "Das System", was dann gleich noch spontan in einer "Kebekus-Fassung" vorlag und damit zumindest auf den Streaming-Portalen sogar die Urfassung überholt hat. Auftritte mit MAKE A MOVE häufen sich, letzten Samstag und Sonntag waren die Band und Bodo in der Elbphilharmonie zu sehen! 14 Open Airs gingen in den Vorverkauf, darunter sogar, Mitte Juni, ein Auftritt aus der geplanten Tour mit der SchönenGutenA-Band. Und plötzlich ist sogar das BEST OF-Konzert von The Capital Dance Orchestra möglich und wir hören Bodo endlich mal wieder mit diesem tollen Orchester.

Aufzeichnung von Wandelmut

Neben all diesen spontanen Ereignissen arbeiten wir kontinuierlich an einigen Projekten, von denen ich Euch ein paar vorstellen will. Bodo hat das auch letzte Woche in seinem Werkstattkonzert aus dem BKA getan, aber wer das verpasst hat oder alles noch mal kompakt nachlesen will, hat hier nun die Gelegenheit.

Das mit Abstand größte Projekt, das wir uns noch für dieses Jahr vorgenommen haben, ist die Aufzeichnung des Programms Wandelmut. Das ist, wie alle DVD-/Blu-ray-Projekte sehr umfangreich und kostspielig, weshalb das lange Zeit nicht möglich erschien. Nachdem nun aber der Fortbestand von Reimkultur grundlegend über die dritte Überbrückungshilfe gesichert ist und wir noch immer viele Eurer Spenden nicht ausgegeben haben, trauen wir uns so ein Projekt nun wieder zu. Die Aufzeichnung selbst, also den Dreh, finanzieren wir dabei aus Euren Spenden der vergangenen Monate. Zusätzlich werden wir wie bei "Antigone" 2019 zur Finanzierung des weiteren Produktionsverlaufs ein Crowdfunding starten. Allerdings gibt es diesmal nur ein Dankeschön: Tickets für die Aufzeichnung.

Ganz nah dran per Stream

Aufzeichnung? Tickets? Wie ist das gemeint? Das kann man sich in Corona-Zeiten natürlich fragen, und tatsächlich wird bei der Aufzeichnung kein Publikum im Saal sein. Wir konzipieren den Mitschnitt wie ein ganz besonderes PriWARTKonzErt: Bodo singt die ganze Zeit an Euch, an die Zuschauer:innen an den Bildschirmen, wie bei seinen PriWARTKonzertEn vom heimischen Flügel aus. Allerdings findet es in dem großartigen Bühnenbild und Lichtdesign von Wandelmut statt, das - pandemiebedingt - bislang nur wenige von Euch in Aktion gesehen haben, und das doch durchweg rasenden Applaus bekommen hat! Sechs Kameras werden für die Aufzeichnung bei Bodo sein. Und weil es bislang immer ganz besondere Live-Abende waren, wenn wir DVDs aufgezeichnet haben, und das auch diesmal sicher so sein wird, könnt Ihr doch dabei sein! Denn parallel zur Aufzeichnung werden wir den Abend streamen. Dafür steht sogar eine Extra-Kamera bereit, die zusätzlich ausschließlich hinter den Kulissen filmt und das auch nur für diesen Abend. Die Live-Zuschauer:innen bekommen also das Rohmaterial der DVD zu sehen plus integriertes Making-Of!

Nur live

Um das ganze Ereignis noch einzigartiger zu machen, wird die Übertragung nur live und zu diesem Zeitpunkt stattfinden, danach wird sie nicht mehr zur Verfügung stehen. Wer also an diesem Abend dabei ist, wird weit mehr sehen und erleben als später auf der DVD. Diese wiederum wird noch einmal komplett neu geschnitten und postproduziert werden, mit eigener Tonmischung, mit schönen Szenenübergängen, als durchgehendes PriWARTKonzErt, ununterbrochen von technischen Patzern, Pausen und Verspielern (ein Best-of daraus wird es natürlich im Bonusmaterial als Blick hinter die Kulissen geben).

Crowdfunding und Postproduktion

Für dieses Streaming-Event könnt Ihr Euch Karten über das Crowdfunding sichern, das wir pünktlich zur Aufzeichnung starten werden. Die Einnahmen tragen dann zur Postproduktion bei, so das wir die um so aufwendiger und im Ergebnis außergewöhnlicher machen können, je mehr Menschen zusehen.

Die Postproduktion wird dann, weil sie wiederum parallel zu anderen Projekten stattfinden wird, im Jahr 2022 abgeschlossen sein, so dass Ihr im Frühjahr 2022, wenn es hoffentlich wieder ein ganz normales Touring geben wird, direkt nach den Auftritten die PriWARTKonzErt-Version des Wandelmut-Abends als Blu-ray oder DVD mit nach Hause nehmen könnt!

Jubiläumsjahr und ein besonderes Konzert

Eines der parallel laufenden Projekte ist das Jubiläumskonzert im November. Wie Ihr wisst, feiert Bodo 2021 eigentlich sein 25. Bühnenjahr. Die meisten Aktionen, die dazu geplant waren, mussten verlegt werden, so dass auch das Jahr 2022 noch ein Jubiläumsjahr sein wird: die Tour zum Jubiläum mit einem Best-of aus allen sechs Klavierkabarettprogrammen, die Tour mit der Band, die kleine Tour mit dem WDR Funkhaus Orchester und viele andere Aktionen werden erst nächstes Jahr stattfinden.

Auch am 16.11.2021 - auf den Tag genau 25 Jahre nach Bodos erstem öffentlichen Auftritt - sollte ein großes, ganz besonderes Konzert stattfinden. Damit dieser Anlass nicht ganz ausfällt, haben wir uns auch hier etwas Neues ausgedacht. Bodo wird am 16.11.21 in seiner alten Schule, in der sein erster Auftritt stattfand, exakt dasselbe Bühnenpodest wie damals betreten und vor einer ganz kleinen Hörerschaft aber live per Stream für alle ein ganz besonderes Konzert mit dem Besten aus 25 Jahren und mit Spezialgästen spielen. Wir waren bereits vor Ort und haben es uns angesehen und sind überzeugt, dass das ein toller, unvergesslicher Abend werden wird.

Bodo ohne Text

Aktuell arbeitet Bodo außerdem an Instrumentalversionen seiner Stücke. Es hat schon immer mal Instrumentalversionen gegeben, die wir als Bonusmaterial auf oder zu CD verschenkt haben. Diese Versionen entstehen bei den CD-Aufnahmen oft als "Nebenprodukte", weil wir solche Tracks sehr gut als Hintergrundmusik verwenden können. Sei es für DVD-Menüs oder für Videos wie das Handsigniert-Video zu Was, wenn doch? oder auch als Jingle-Musiken. Diese Versionen erfreuen sich großer Beliebtheit, sie werden oft gehört und auch die Noten zu diesen Versionen werden oft erworben. Und da es obendrein sehr interessant ist, sich dem eigenen Material noch mal auf diese Weise zu nähern, hat Bodo inzwischen diverse Layouts von verschiedenen Stücken angefertigt, die schlussendlich ein neues Album ergeben sollen. Welche Stücke das sind und wie genau und wie weit sie dafür bearbeitet werden, das entwickeln wir in der kommenden Zeit. Aufgrund der hohen Dichte an Konzerten im nächsten Jahr - 135 Stück sind geplant, weil so viele aus dem Jahr 2020 noch nachgeholt werden wollen - wird es wohl so bald noch nichts mit einer Albumaufnahme. Aber gut Ding will eben Weile haben.

Texten mit Bodo

Soweit unsere drei kommenden Großprojekte. Daneben sind viele weitere Vorhaben in Arbeit. Bodo hat ein Konzept für Songwriting-Workshops erstellt und wir werden demnächst den ersten Aufruf zur Teilnahme an einem solchen starten. Es soll aktive und passive Teilnehmer:innen geben können, zunächst wird alles online sein, aber später, wenn das Konzept gut funktioniert und angenommen wird und die Maßnahmen es wieder zulassen, soll die Veranstaltung auch live stattfinden können.

Und sonst noch

Übrigens laufen bei all dem die PriWARTKonzertE weiter, der Zeitraum wurde sogar verlängert. Und die Geburtstagsständchen werden im Juli auch wieder erhältlich sein. In Planung ist außerdem eine weitere Single-Videoveröffentlichung, eine mögliche CD mit englischsprachigen Versionen von Bodos Stücken und eine Hörspielumsetzung der Thebanischen Trilogie. Wir sind selbst gespannt, was uns davon wann gelingt und wieviel Freiraum uns dafür zukünftig bleibt, je nachdem, ob, wann und wie es live weitergeht.

Bleibt also dran, folgt Bodo auf einem seiner vielen Kanäle und unterstützt uns gerne durch Teilnahme bei den kommenden Vorhaben!
Sven

 
 
27. Mai 2021

Aufatmen

Zur aktuellen Lage bei Reimkultur

 

Wir können aufatmen. Oder zumindest mehr als einmal Luft schnappen,  also so einen richtigen guten Zug Luft über Wasser nehmen. Tief durchatmen. Denn unser Antrag auf Überbrückungshilfe 3 wurde gewährt. Zwar wurden auch unsere Anträge auf „Ü-Hilfe“ 1 und 2 durchgewunken, doch während das eher Tropfen auf heiße Steine waren, ist dieser Antrag wirklich substantiell und existentiell. Er verändert unsere finanzielle wie auch unsere mentale und emotionale Situation in mehrerlei Hinsicht zum Guten!

In meinem letzten Blogeintrag vom 10. März hatte ich von meiner Prognose berichtet, noch dieses ganze Jahr und bis ins Frühjahr 2022 ohne nennenswerte Einnahmen aus Konzerten durchhalten zu müssen. Diese Prognose bewahrheitet sich immer mehr. Gerade erst wieder haben sich mehrere Verbände aus der Veranstaltungsbranche mit der Bitte an die Regierung gewandt, eine Perspektive für Konzerte und andere Veranstaltungen im Herbst zu geben, denn die fehlt noch vollständig. Wir selbst verlegen die ersten Konzerte aus dem Herbst in das Jahr 2022 und für alle Termine, die noch kommen könnten, gibt es bereits Optionen für Verschiebungen ins Folgejahr. Und wenngleich wir tatsächlich ein paar Open-Air-Termine für Bodo akquirieren konnten: 2021 wird ohne wesentliche Live-Einkünfte bleiben.

Und trotzdem Aufatmen? Ja! Denn offensichtlich hat sich unsere Branche, vor allem vermutlich durch die Bewegung #AlarmstufeRot, die Demonstrationen, die Forderungen an die Politik und den Dialog mit den Verantwortlichen, mit ihren Bedürfnissen Gehör verschaffen können. Während wir an unserem Antrag für die Überbrückungshilfe 3 arbeiteten, wurden die Regularien mehrfach überarbeitet und zwar vor allem im Sinne der Veranstaltungswirtschaft.

So sind inzwischen die Fixkosten in Monaten, in denen der Umsatz um 70% oder mehr sank, nicht mehr zu 90, sondern zu 100% förderfähig. Es gibt einen Fixkostenzuschlag und zusätzlich zu Kosten für Hygiene- und diesbezügliche Umbaumaßnahmen können noch Kosten für Maßnahmen zur Digitalisierung und für Marketing gefördert werden, um zukunftsfähig zu sein. Diese Maßnahmen machen einen hilfreichen zusätzlichen Geldsegen aus.

Anerkennung

Doch darüber hinaus hat die Regierung anerkannt, dass unserer Branche hohe Verluste entstanden sind, indem Investitionen und Vorleistungen aus dem Jahr 2019, in dem die Touren der Jahre 2020 und 21 organisiert wurden, nicht amortisiert werden konnten. Diese Kosten können nun als Ausfallkosten geltend gemacht werden. Außerdem gibt es eine sogenannte Anschubhilfe in Anerkennung der Tatsache, dass auch jetzt wieder für neue Konzerte Mittel eingesetzt werden müssen, die sich erst in ein bis zwei Jahren auszahlen werden. Diese beiden Fördermöglichkeiten haben die Summe in unserem Antrag verdoppelt!

Die Maßnahmen sind nicht nur aus finanzieller Hinsicht gute Neuigkeiten für uns, sie haben auch mental viel verändert. Denn anstatt dass uns immer nur – wenn überhaupt – akute Hilfen für Fixkosten erreichten, werden wir nun für tatsächlich entstandene Ausfälle zumindest ein Stück weit entschädigt. Das ist nicht nur eine Anerkennung unserer Situation – und gesehen zu werden tut bekanntlich immer gut – sondern es ist auch eine reale Möglichkeit, diese Mittel wie gewohnt sinnvoll investieren zu können, sie in Zukunftsprojekte und damit die Zukunft von Bodos Kunst und dieser Firma anlegen zu können. Denn genau für solche Projekte sind eigentlich die Rücklagen gedacht gewesen, die wir aber im letzten Jahr für das „nackte Überleben“ der Firma ausgeben mussten.

Mittlerweile ist eine vorläufige Gewährung der Überbrückungshilfe inklusive eines Abschlags von 50% bei uns eingegangen. Die Gewährung ist also vorbehaltlich, aber wir sind sehr zuversichtlich, dass uns auch der Rest zugestanden wird!

Prognose & Stolpersteine

Meiner aktuellen Prognose nach werden wir nun obendrein endlich wieder länger durchhalten als es vermutlich dauern wird, bis wir wieder auf Tour sein können, nämlich bis in den April 2022. Dabei sind noch einige Faktoren mitgedacht, die sich als Stolpersteine entpuppen könnten (wie Verluste durch nur unzureichend verkaufte Konzerte, die wir aber trotzdem spielen müssen) und einige wiederum nicht, die sich aber noch einlösen können (aktuell gibt es z.B. schon den diskutierten Vorschlag des Arbeitsministeriums, die Förderungen im Kurzarbeitsgeld zu verlängern und auch nach einer Überbrückungshilfe 4 ist bereits gefragt worden). Die Situation kann also von da aus eigentlich nur noch besser werden, zumindest wenn wir optimistisch auf den Pandemieverlauf schauen!

Was uns auf dem Weg dahin noch begegnen wird, ist natürlich unklar. Welche Auflagen für Konzerte wird es geben und können wir sie erfüllen? Können wir auch die noch nicht so gut verkauften Konzerte auf einen Stand bringen, zu dem sich der Auftritt finanziell lohnt? Steht unsere Crew noch zur Verfügung oder mussten sich unsere Techniker in der Zwischenzeit alle andere Jobs suchen, um durchzukommen? Denn sie sind in der Mehrheit jene Solo-Selbständigen, die noch immer kaum Berücksichtigung finden.

Konzertkarten kaufen

Manches davon könnt Ihr, unsere Fans und Begleiter:innen, bewegen z.B. indem Ihr Karten für angekündigte Konzerte kauft, auch wenn noch nicht ganz klar ist, ob sie wirklich zu diesem Zeitpunkt stattfinden können. Das ist tatsächlich eine Bitte von uns, und wäre die größte Hilfe, die wir von Euch jetzt bekommen können. Denn es ist beklemmend, in ein Jahr voller Konzerte zu schauen, für die seit wiederum über einem Jahr keine Karten mehr gekauft worden sind. Seid gewiss: die Situation wird sich verbessern und wir werden alles dafür tun, dass Auftritte stattfinden können. Gerade gestern haben wir ein Open-Air-Konzert mit Bodo und der Band in Mühlheim final für Juni zugesagt!

Spenden & Solidarität

Anderes aber müsst Ihr nicht mehr tun, und das ist Spenden. Wir haben in den letzten Monaten Eure Solidarität so sehr gebraucht und dann auch dankend angenommen, Ihr habt uns über weite Durststrecken getragen und werdet mit Eurem Geld noch so manches Projekt ermöglichen, das in den kommenden Monaten auf uns wartet. Bodo wird davon in einer eigens dafür in Vorbereitung befindlichen Veranstaltung berichten. Insgesamt sind über die verschiedenen Spendenkanäle seit August 2020 über 110.000 € bei uns eingegangen, mit denen wir Gehälter und Projekte, Fixkosten und kleine Investitionen, die Crew hinter unserem Büro und diverse Anliegen von anderen Künstler:innen solidarisch finanziert haben. Dazu kommen die Einnahmen aus den PriWARTKonzertEn, die wir ihrer Höhe nach auch zu einem guten Teil als Spenden und Hilfen verstehen. Das alles war großartig, einzigartig und absolut ungeahnt! Doch das braucht es nun nicht mehr.

Stattdessen bitten wir Euch, Euer Geld anderen Künstler:innen zukommen zu lassen. Ihr habt sicherlich noch andere Interessen in Musik, darstellender oder bildender Kunst. Auch diese Künstler:innen sind betroffen und vermutlich meist nicht viel besser dran als wir oder sogar schlechter. Denn eins ist wichtig: wir bekommen diese staatlichen Hilfen nur, weil wir eine Firma sind! Bodo alleine hätte keinen Anspruch darauf! Dieses Netz sichert uns und die Arbeitsplätze ab, das freut uns, aber es zeigt uns auch täglich, wie viel mehr Sicherheit wir haben als die meisten Solo-Künstler:innen.

Es gibt einige Organisationen, die für Künstler:innen sammeln und weiterverteilen, und es gibt bei den einschlägigen Crowdfunding-Plattformen reichlich Projekte, die unterstützenswert sind. Falls Ihr also zukünftig noch weiterhin Geld übrig habt, dann setzt es bitte dort ein. Ich gebe Euch am Ende dieses Eintrags ein paar Links an.

Falls Ihr dennoch weiter direkt an Reimkultur und Bodo spenden wollt, dann werden wir das Geld eins zu eins an diejenigen Künstler:innen und freiberuflichen Crewmitglieder weiterleiten, die fest mit uns zusammenarbeiten. Denn auch ohne die könnte Bodo zukünftig nicht mehr auftreten!

Instrumentales Dankeschön

Noch einmal zurück zu Eurer überwältigenden Spendenbereitschaft. Wir haben etwas von dem Geld, dass Ihr so reichlich anlässlich des Streaming-Konzertes mit "Jetzt oder Sinfonie!" gespendet habt, in einen Remix der Stücke investiert.

Das WDR Funkhausorchester hat uns dabei unterstützt und so stehen uns nun von allen Stücken Instrumentalversionen ohne Bodos Gesang zur Verfügung. Mit diesen Stücken werden wir in den kommenden Jahren unsere Videos unterlegen können, und wir werden sie für DVD-Menüs einsetzen können. Als Appetithappen und kleines Geschenk an Euch haben wir sogar eine komplette Auskopplung für Euch am Start und zwar „Lalelilolu“, aus Bodos Programm Noah war ein Archetyp. Ihr könnt Euch diese wunderschöne Fassung als mp3 herunterladen.

Alles nur geliehen

Schließlich will ich eines nicht unerwähnt lassen: Uns ist sehr wohl bewusst, dass das Geld, das wir nun erhalten haben, geliehenes Geld ist. Der Staat hat es sich von irgendwo her geliehen, es wird zurückgezahlt werden müssen, aber vermutlich nicht vollumfänglich von uns, sondern auch von unseren Kindern. Im Grunde leihen wir uns das Geld also von unseren Kindern. Das würde man als Eltern nie tun oder zumindest nicht wollen, und ich stelle in Frage, ob das richtig ist. Eigenartig ist es in jedem Fall.

Und so haben wir uns zumindest vorgenommen, verantwortungsvoll und im Gedenken an diese Tatsache mit dem Geld umzugehen. Natürlich kommt es auch jetzt den Kindern schon indirekt zugute, wenn Eltern dadurch nicht arbeitslos werden bzw. Umsätze erwirtschaften können, denn wir geben das Geld ja an Menschen weiter, die damit ihr Einkommen bestreiten und sorgen dafür, dass dies auch langfristig möglich ist. Wir werden es aber darüber hinaus in eine Art firmeninternen Fonds legen und nur soviel davon ausgeben, wie wirklich benötigt wird, bis wir wieder auf eigenen Füßen stehen können. Sollte dann noch etwas übrig sein, werden wir es entweder direkt wieder zurückgeben oder an nachhaltig zum Wohl unserer Kinder handelnde Einrichtungen und Organisationen weitergeben.

Wir wünschen Euch nun mit leichterem Herzen alles Gute und denkt bitte dran: es wird wieder Konzerte geben, wir haben viele im Angebot, was noch fehlt, seid Ihr!
Sven

 

Hier noch die Links zu Spendenmöglichkeiten:

Die KunstNothilfe ist eine tolle Einrichtung, der wir selbst schon Geld haben zukommen lassen. Sie steht in Kooperation mit der GLS Bank, einer sehr guten, gemeinwohlorientierten Bank, die auch unsere Hausbank ist.

Des Weiteren gibt es die CoronaKünstlerHilfe, die ich auch für sehr unterstützenswert halte, weil sie obendrein wertvolle Öffentlichkeitsarbeit betreibt und auch Unternehmen anspricht, die sich in das Projekt einbringen können.

Der Nothilfefond der Orchesterstiftung ist sicherlich auch ein guter Anlaufpunkt.
Erwähnenswert finde ich vor allem aber noch das Ensemble-Netzwerk, das vor allem für Bühnenkünstler:innen der darstellenden Künste sammelt. Hier startete gerade im Mai die 5. Runde für Bewerbungen um Hilfsmittel.

Und wenn es um kleinere Projekte oder Initiativen geht, dann ist die Crowdfunding-Plattform startnext immer ein guter Anlaufpunkt. Auch für Menschen, die gerne persönlicher unterstützen wollen, mit Kontakt zu den Unterstützten, ist das der richtige Ort. Die Plattform hat eine eigene Rubrik für Corona-bedingte Projekte eingerichtet. Viele gute Unterstützungen für von der Pandemie geplagte Menschen und Unternehmen sind über die Plattform schon gelaufen.

Ein Projekt, das dort gerade läuft, ist ein Funding für ein Zirkusprojekt, das Kinder- und Jugendarbeit in Frankfurt macht. Das ist eine tolle, jahrzehntealte Einrichtung, in der einer unserer treuen Bühnentechniker seinen hauptsächlichen Wirkungsort hat. Gerne können Sie dieses Projekt unterstützen, das auch uns sehr am Herzen liegt.

Oder spendet, wie gesagt, weiterhin an Reimkultur, dann geht das Geld an die uns verbundenen Künstler:innen und freiberuflichen Crewmitglieder.

 
 
10. März 2021

Der Januar war kalt, dunkel und kalt.

Zur aktuellen Lage bei Reimkultur

 

Seit Beginn der Pandemie und des Kultur-Lockdowns - also seit mittlerweile einem Jahr – waren wir auch dank Eurer Unterstützung anfangs recht gut durch die schwierigen Zeiten gekommen. Nun wurden wir im Januar eiskalt von den problematischen Entwicklungen eingeholt.

Sobald klar war, dass die ersten Konzerte ausfallen mussten, habe ich mich natürlich kalkulatorisch mit den Folgen dieses Lockdowns befasst. Zunächst einmal hatten wir noch einige Rücklagen aus den Jahren davor, darum war im Frühjahr 2020 - als die Aussicht "im Sommer geht wieder alles los" galt - erst mal noch alles gut. Wir hätten locker bis in den Herbst 2020 hinein durch die Krise kommen können.

Überbrückungs-Unpässlichkeit

Dann kam der Sommer 2020 und es wurde klar, dass es nur sehr eingeschränkte Open-Air-Veranstaltungen geben würde. Und im Herbst vermutlich auch keine Öffnungs-Optionen, die für uns sinnvoll zu organisieren wären. Plötzlich mussten wir bis zum Frühjahr 2021 durchhalten. Das stellte uns dann schon vor eine Herausforderung, zumal wir leider bei so manchem Hilfsprogramm durchs Raster fielen. Aus der Soforthilfe im Frühjahr 2020 erhielten wir nichts, weil wir eben noch die Rücklagen auf dem Konto hatten. Von der Überbrückungshilfe I für die Monate Juni bis August erhielten wir nur Geld für Juni/Juli 2020. Denn die Ü-Hilfe wird nach Umsatzeinbruch berechnet, und da wir aufgrund der Sommerpause auch sonst im August kaum Umsätze machen, war hier der Rückgang gegenüber dem Vorjahr nicht groß genug, um uns zu qualifizieren. Dass wir den August normalerweise aus Einnahmen der gesamten 6 Monate zuvor finanzieren - und das nun natürlich nicht möglich war - spielte für die Ü-Hilfe keine Rolle.

Weiter vor allem dank Eurer Unterstützung

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir zum ersten Mal von unserer Not erzählt, und die Solidarität, die uns von da an auch in finanzieller Hinsicht erreichte, hat maßgeblich dazu beigetragen, dass wir heute hier stehen, wo wir stehen. Denn z. B. auch für die November-/Dezemberhilfe hatten wir uns dann nicht qualifiziert: dafür müsste ein Unternehmen auch bei indirekter Betroffenheit seine Umsätze zu 80% aus den von der Schließung betroffenen Bereichen beziehen. Bei uns machen die Live-Konzerte ca. 70% aus. Das ist ein großer Anteil - wenn der wegfällt, ist das Unternehmen gefährdet. Aber die Regierung sah die Gefährdung erst bei 80%.

Dann wurde uns auch noch von der Überbrückungshilfe II, die für die Monate September bis Dezember gezahlt werden sollte, reichlich abgezogen. Diesmal, weil wir über den Verkauf von Produkten von Marc-Uwe Kling, die wir über unsere Onlineshop-Plattform vertreiben, zu viel Geld verdient hatten, um als hilfsbedürftig anerkannt zu werden. Dass wir den absoluten Großteil dieser Umsätze an den Künstler weitergeben, hatte wieder mal keinen Einfluss auf die Ü-Hilfe-Zahlung. Umsatz ist eben Umsatz.

Umsätze, Hochrechnungen und Ansagen

Das war ein großer Schreck. Denn - wie gesagt - von diesem Umsatz bleibt nur ein Bruchteil bei uns. Wir hatten das gerade verdaut, da kam die Nachricht, dass die Basis für die Berechnung der Überbrückungshilfe II noch einmal geändert würde: es seien nun nicht mehr die Umsätze relevant, sondern die entgangenen Gewinne. (Und ja, die Regularien für die Hilfen werden auch gerne mal angepasst, nachdem man die Anträge schon geschrieben hat.) Wie weise ich die denn nach? Wir hatten uns zum Glück mit dem Hochrechnen von möglichen Gewinnen aus Ticketverkäufen, die man gerade in dieser Zeit kaum abschätzen kann, schon für den einen oder anderen Entschädigungsantrag befasst (wobei natürlich auch diese abgelehnt wurden, weil es im Infektionsschutzgesetz an dieser Stelle eine Regelungslücke gibt und darum die Ämter die Anträge, die aus unserer Branche kommen, alle rundheraus ablehnen können).

Aber diese Hochrechnungs-Option war immerhin eine große Chance! Endlich konnten wir mal darstellen, was eigentlich gewesen wäre, wenn alles glatt gelaufen wäre. Doch diese Ansage, eine Entschädigungs-Schätzung einreichen zu können, wurde wenige Tage später wieder zurückgezogen, weil dann doch aufgefallen war, dass man mit so einer Fragestellung natürlich völlig im Trüben fischen würde und auch die Steuerberater:innen/Wirtschaftsprüfer:innen, die die Anträge einreichen müssten, damit völlig überfordert gewesen wären.

Keine tragfähigen Aussichten

Trotzdem war es auch zu diesem Zeitpunkt noch so, dass wir zuversichtlich bis ins Frühjahr 2021 schauten, denn wir waren sicher, dass dank viel Unterstützung durch Fans, durch gute Verkäufe unserer im letzten Jahr mit viel Fleiß hergestellten Produkte, durch die gute Resonanz auf das Wwweihnachts.bodo-Onlinekonzerte-Konzept und durch zu erwartende Überbrückungshilfen unsere Firma bis in den April durchhalten würde.

Dann traten zu allem Überfluss die Virus-Mutationen auf und die Aussicht auf Öffnungen löste sich in Luft auf. Aus einem Lockdown light wurde ein vollumfänglicher Lockdown, der dann im neuen Jahr auch noch verlängert wurde. Anfang 2021 wurde es dann sehr dunkel und sehr kalt.

Denn was bedeutet es für uns und für alle anderen Kulturschaffenden, die auf Publikum angewiesen sind? Wenn jetzt aktuell im März die Theater noch geschlossen sind, dann werden wir bis zum Sommer keine Situation haben, in der mit normalen Kapazitäten gespielt werden kann. Selbst der gerade von einigen Kulturverbänden vorgestellte Lockerungsplan sieht für Open-Air-Veranstaltungen in diesem Sommer nur 40% Auslastung vor. Das bedeutet, dass wir bis zum Herbst keine Möglichkeit haben werden, schon mal in einer Art Normalbetrieb Auftritte zu veranstalten.

Wir benötigen mindestens 65, besser 75% Auslastung der Veranstaltungsstätten, um ohne Verluste auf Tour zu sein. Im Herbst aber wird bei den Entscheidungsträgern vermutlich wieder die „jetzt wird es Herbst und alle sind mehr drinnen und alle werden krank“-Sorge um sich greifen, so dass auch dann nicht weiter daran gearbeitet werden kann, in einen Normalbetrieb zu kommen. Demnach werden wir dann mit denselben Einschränkungen in den Herbst 2021 geraten, mit denen wir in den Herbst 2020 gegangen waren. Bei größter Zuversicht bleibt uns dann noch zu wünschen, dass das Weihnachtsgeschäft zu retten sein könnte, sollte sich im Herbst 2021 herausstellen, dass sich das Infektionsgeschehen mit Anbruch der Drinnen-Saison überhaupt nicht negativ verändern würde. Aber das klingt für mich im Moment sehr utopisch. Dann wäre es erst im Frühjahr 2022, bis wir wieder regulär auf Tour sein könnten.

Ein weiteres Jahr Durchhalten

Plötzlich - aus heiterem Himmel - wurde also aus einem Durchhalten-Können bis April 2021 ein Durchhalten-Müssen bis April im nächsten Jahr! Mehr oder weniger von einer Woche auf die andere sieht es so aus, dass wir zwölf Monate länger unsere liquiden Mittel vorhalten müssen. Das war ein solcher Schock, dass ich eine Woche gebraucht habe, um mich mit dem Gedanken abzufinden; und einen kompletten Monat, um das für alle unsere Geschäftsbereiche und Projekte durchzudenken und anfangen zu können, die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen.

Einen einzigen Hoffnungsschimmer gibt es jetzt noch: das Finanzministerium arbeitet gerade an einem Plan, der besagt, dass ab Herbst bei Veranstaltungen das Ausfallrisiko durch geringe Kapazitäten oder Absagen staatlicherseits übernommen werden soll. Eventuell werden wir also im Herbst noch zum Selbstkostenpreis auftreten und zumindest die angekündigten Termine durchführen können, auch wenn dann damit niemand wirklich Geld verdienen kann. Das bleibt abzuwarten. Auch müsste eine Überbrückungshilfe IV aufgelegt werden, denn die aktuelle Nr. III ist nur bis Ende Juni vorgesehen. Wir werden aber darüber hinaus noch neun Monate lang im Ausnahmezustand sein.

Förder-Fraglichkeiten

Leider ist es ja so, dass sich die Überbrückungshilfe nur auf Fixkosten bezieht. Dabei geht es also wirklich nur darum, den rudimentären Betrieb aufrechtzuerhalten. Was wir - und andere Unternehmen natürlich auch - aber darüber hinaus normalerweise aus den Einnahmen finanzieren, sind Investitionen: in unserem Fall neue Projekte und Produkte. Dafür braucht es also zusätzlich mehr Mittel.

Zu einem Teil wollen wir dafür das von Euch gespendete Geld einsetzen. Aber wenn wir kein Geld für den Betrieb der Firma haben, können wir auch keine Produkte erstellen, also ist das vielleicht eine Entweder-oder-Frage. Ansonsten bemühen auch wir uns um Fördermittel, wie tausende andere auch, weswegen alle Töpfe derzeit mindestens zu 200-300% über-angefragt sind. Wir haben tolle Ideen, aber gerade, wenn sie obendrein noch ungewöhnlich sind (wie z. B. eine dreiteilige CD-Reihe mit einem Hörspiel unserer Antiken-Theaterstücke), dann scheinen sie auch nicht so richtig in die meist konventionellen Förderprogramme zu passen.

Konzerte aufgehoben, nicht aufgeschoben

Problematisch an dieser Situation ist obendrein, dass es nun wirklich um den Ausfall von Einnahmen geht, nicht mehr nur um deren Verschiebung. Wir hatten es nämlich zunächst geschafft, 69 von 83 Konzerten vom Jahr 2020 ist Jahr 2021 zu verschieben. Bodo wäre über 140 mal aufgetreten! Ein Rekord. Jetzt aber werden nach und nach alle Konzerte aus dem Jahr 2021 ins Jahr 2022 verschoben. Und für dieses Jahr 2022 war noch kein einziges Konzert gebucht. Das heißt: jetzt gehen wirklich Auftritte verloren - ein Verlust, der nicht wieder gutzumachen sein wird.

Ein ganzes Jahr wird nicht neu verbucht werden können. Das sind mindestens 80 Auftritte, aus denen Einnahmen fehlen werden.

Zusätzlich zu den fehlenden Live-Einnahmen wird es auch keine Ausschüttungen von der GEMA geben. Die hatten uns im letzten Jahr noch geholfen: sie werden nämlich immer um ein Jahr versetzt ausgezahlt - letztes Jahr erhielten wir also die Abgaben aus dem Jahr 2019. 2020 aber gab es keine Abgaben, da keine Konzerte stattfanden. Wir blicken also tatsächlich auf ein ganzes Jahr ohne Einkommen!

Nervenzerren in der gesamten Branche

Das heißt, nach bereits einem vollen Jahr ohne reguläre Einnahmen, aber  wenigstens mit dem Ersparten im Hintergrund, folgt ein weiteres Jahr -  nun aber ohne Netz und doppelten Boden. Es ist also jetzt im Grunde schlimmer als vor einem Jahr! Der freie Fall ist vorprogrammiert, für uns wie für viele, viele, tausende andere Menschen in unserem Metier auch.

Diese Situation zerrt an unser aller Nerven und kostet Zuversicht. Bislang sind wir irgendwie kreativ mit dieser Krise umgegangen, haben Ideen entwickelt, die Ärmel hochgekrempelt und sind voller Zuversicht, das irgendwie zu schaffen, losgestiefelt. Aber wenn nach einem ganzen Jahr die Situation nur noch schlimmer ist, wird es schwer, sich zu motivieren.

Trotzdem weiter - aber eingeschränkt

Dennoch stellen wir uns der Herausforderung, aber sie ist groß. Größer als noch zu Beginn der Pandemie. Aktuell schaffen wir es laut meiner Prognose mit der Firma bis in den September. Wir hoffen auf noch ein paar halbwegs lukrative Open-Air-Engagements im Sommer und dann bleibt uns nur noch, dass der Staat die Hilfsprogramme verlängert.

Wir haben nun schon mal die Arbeitsleistung im Büro auf 25% reduziert, um den Förderanteil durch das Kurzarbeitergeld zu erhöhen. D.h. unser gesamtes Team arbeitet nur mit einem Viertel seiner eigentlichen Leistungsfähigkeit. Das bedeutet, dass alle Projekte nur 1/4 so schnell vorankommen wie üblich und wir auch alle Menschen um uns herum inklusive Euch - Begleiter:innen und Fans - weniger umfangreich und langsamer betreuen können als gewohnt und gewünscht. Bitte habt Verständnis dafür ...

Kultur zählt!

... und wünscht uns Glück, bleibt interessiert an Bodo und seiner Kunst und drückt uns die Daumen!

Uns liegt sehr am Herzen, dass immer mehr Menschen – vor allem solche, die politische Entscheidungen treffen – verstehen, dass Kultur wichtig ist, dass sie zählt! Kultur ist Bildung ist ein selbstbestimmtes Leben sind mündige Bürger:innen ist Gemeinwohl!

Danke!
Sven

 

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